[REZENSION] "Schmetterling aus Staub" von Anna Palm

Elchi | Freitag, 29. März 2013 |

Autorin: Anna Palm
Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (Februar 2013)
Genre: Jugendbuch / Dystopie / Fantasy
Originaltitel: Schmetterling aus Staub
ISBN-10: 3862652513
ISBN-13: 978-3862652518
Preis: 14,95 €

Teil einer Reihe? Nein

http://www.schwarzkopf-verlag.net/






Inhaltsangabe: (Quelle: Klappentext)

„Ich habe mich entschieden. Für Aaron, aber auch gegen alles, was ich kenne.“

Die Stadt, in der die 16-jährige Mika lebt, gleicht dem Paradies: Blumen blühen überall, die Menschen leben harmonisch miteinander und die Sonne scheint 365 Tage im Jahr. Dennoch ist Mika nicht glücklich. Seit sie vor acht Jahren am staatlich angeordneten Persönlichkeitstest teilnehmen musste, ahnt sie, dass die Realität außerhalb von Seelenheide ganz anders aussieht.
Ihre Vermutung bestätigt sich, als eines Tages ein fremder Junge auf der Mauer hinter ihrem Garten sitzt.
Aaron gehört zu den „Risikos“, die als Kinder von ihren Eltern getrennt und von der Regierung eingesperrt werden – aus Angst davor, dass sie zu Freidenkern werden könnten. Doch Aaron konnte fliehen und will nun das System stürzen, das ihn und Tausende andere aussortiert hat.
Mika ist vom ersten Moment an fasziniert von Aaron und begibt sich mit ihm auf die gefährliche Mission. Schon bald muss sie sich nicht nur mit Kopfgeldjägern auseinandersetzen, sondern auch mit Janna, dem „Machtmädchen“, das sich ihnen anschließt. Können sie ihr wirklich trauen?


Meine Meinung:

„Schmetterling aus Staub“ von Anna Palm ist ein dystopischer Fantasy-Roman, der anders wie die meisten Dystopien nur aus einem Einzelband besteht und in sich abgeschlossen ist. Die Autorin entführt uns in ein Deutschland, welches ich mir in dieser Form nicht vorstellen vermag und erschafft eine faszinierende, an den Leser appellierende Geschichte, die so nah an der Realität liegt, aber auch aus Geschehnissen längst vergangener Zeiten mit einer großen Portion freier Kreativität zu vereinen und den Leser mit einer sich immer mehr steigernden Spannung im Bann zu halten.

Anna Palm konfrontiert uns damit, dass man die Menschheit nicht in Normen pressen sollte, sondern ein jeder das Recht hat sein Individuum frei entfalten zu dürfen. Dass wir die Menschen nicht sofort nach einer Charaktereigenschaft kategorisieren sollen, da jeder Mensch mehrere Facetten besitzt, die bei manch einem jedoch unter einer etwas tieferen Schicht versteckt liegt, als bei manch anderen. Und dass man gemeinsam, viel mehr erreichen kann, als alleine, da man sich gemeinsam ergänzt.

Der Schreibstil ist locker und leicht verständlich und durch die bildhaften Beschreibungen der Umgebung, konnte man sich gut an den Schauplatz versetzen. Die Erzählperspektive wird dabei in der Ich-Form aus Sicht der Hauptprotagonistin Mika geschildert, wodurch man von sich ihr ein besonders gutes Bild schaffen konnte, da man all ihre Ängste und Gefühle hautnah miterlebt. Das Buch wurde zudem in 15 Kapitel mit Danksagung und einem Inhaltsverzeichnis zum besseren Überblick versehen, wobei die Kapitelüberschriften sich wirklich auf das Wesentliche beziehen und zum Ausdruck bringen.

Auch die Beschreibungen der Charaktere sind liebevoll und detailliert. So zeigen die im Buch erwähnten Charaktere nach und nach immer mehr Facetten, sind dadurch besonders vielseitig und wirken durch ihre Stärken wie auch Schwächen sehr authentisch. Mika, die Hauptprotagonistin ist ein Harmoniemädchen aus Seelenheide, diese nach und nach anfängt an der Selektion und sich selbst zu zweifeln. Sie ist die Liebenswürdigkeit in Person, zu Beginn noch recht schüchtern, lernt sie im Verlauf der Geschichte immer mehr neue für sie ungewohnte Eigenschaften an sich kennen und macht eine große Entwicklung durch. Aaron, der Risikojunge, wirkt sehr von sich überzeugt und hat ein freches Mundwerk – er meint er sei zum Anführer bestimmt und sagt über sich selbst „Ich bin ein Risiko, mein Ego ist so groß wie das Universum und geht bis weit ins unendliche Nichts.“ S. 70. Janna, das Machtmädchen ist das komplette Gegenteil von Mika. Sie muss immer im Mittelpunkt stehen und genießt es einen Triumph über andere zu führen. Ihr Erscheinungsbild ist ziemlich impulsiv und einschüchternd. Und Finn, der Ehrgeizjunge wirkt eher unscheinbar, wobei man sein Wissenstand nicht unterschätzen sollte, denn er ist ein kleines Genie.

Wir befinden uns im Jahre 2222. Deutschland heißt nicht mehr Deutschland sondern Alemania und wird von einem Diktator namens Caesar (ja, er weißt wirklich Ähnlichkeiten mit Ceasar auf) unterdrückt. Durch eine bösartige Infektion ist ein Großteil der Menschheit gestorben Seitdem werden die Menschen durch die Selektion in vier Kategorien – Harmonie, Risiko, Macht und Ehrgeiz - eingeteilt. Die Selektion findet an dem 8. Geburtstag eines Kindes statt und verläuft durch ein Einstufungsverfahren, welches die Charaktereigenschaft eines Kindes feststellen soll ab. (Dieses Verfahren ist sehr futuristisch). Da die Zukunft Alemanias angeblich nur überleben kann, wenn sich gleich und gleich gesinnt, werden die Kinder, die einer anderen Eigenschaft entsprechen als ihre Eltern, diesen entrissen und einem fremden Elternteil zugeordnet. Denn diese vier Gruppierungen leben strengstens getrennt in verschiedenen Sektionen. Noch dazu werden sie mit aller Macht in ihre Normen gepresst, d.h. den jeweiligen Gruppen wird vorgeschrieben, welche Farben sie tragen dürfen, so dass man sie direkt an ihrer äußeren Erscheinung erkennen kann, welche Hobbys sie ausüben dürfen und welche Berufe sie erlernen dürfen. So ist es Harmoniemenschen z.B. untersagt zu galoppieren oder sich für Naturkunde und Astronomie zu interessieren. Ebenso dürfen diese erst miteinander schlafen, nachdem sie sich einer Prüfung unterzogen haben, ob ihre Persönlichkeiten perfekt miteinander harmonieren. Ehrgeizmenschen seien für die Chemie vorbestimmt und Machtmenschen als persönliche Lieblinge Caesars, die mit Geld umgehen können und seine Berater darstellen. Die Risikos kommen dabei am schlechtesten weg; sie werden als Alkohol konsumierende, menschenfressende Monster, gar Mörder dargestellt, die keinerlei Liebe und Gnade kennen, (was jedoch natürlich alles frei erfunden ist). Zur besseren Kontrolle eines jeden einzelnen Menschen haben diese einen Mikro-Chip im Ohr, mit dem sie untereinander kommunizieren können und von dem Diktator jeder Zeit überwacht werden können. (Ich könnte euch so viele Details aufzählen, was für welche Gruppe vorbestimmt ist und wie man die Meute im Zaum hält und kontrolliert, aber dann würde ich zu vieles vornweg nehmen und die Spannung wäre dahin.). Nun ja, Mika, die Hauptprotagonistin, ein Harmoniemädchen aus Seelenheide, fängt an ihre Existenz in Frage zu stellen und ob es richtig ist, dass sie nichts Neues ausprobieren darf um zu erfahren ob es ihr wirklich nicht liegen würde. Und kurz darauf taucht auch schon der Risikojunge Aaron auf ihrer Gartenmauer auf. Aaron konfrontiert sie mit ihren Handlungen, ihrem Benehmen und ihrem innersten Wunsch sich den Regeln Caesars zu widersetzen. Mika beschließt sich nach langem Zögern und Aarons hinterhältigem Versuch, indem er sie mit einem mit Schlafmittel versetzen Apfel überlistet hat (was ein ganz toller Aspekt gerade für einen Risikojungen ist mit einem märchenhaften Vergleich zu kommen in dieser ach so grausamen Welt) Aarons Ziel, den Diktator zu stürzen, damit die Menschheit wieder in Freiheit leben kann, anzuschließen. Ihr Plan ist es sich gemeinsam über die Unterdrückung Caesars hinweg zu setzen, in dem sie sich noch 2 weitere Personen aus den anderen Sektionen hinzu holen.  Demnach machen sie sich gemeinsam mit Janna, dem Machtmädchen und Finn, dem Ehrgeizjungen auf den Weg. Unterwegs laufen sie viele Gefahren und gehen den Weg harter Erkenntnisse. Dennoch finden sie auch zueinander und zwischen Mika und Aaron bahnt sich eine Liebe an, die auf die harte Probe gestellt wird.

Die Spannung erlebt immer wieder eine Steigerung durch unvorhersehbare Wendungen der Geschehnisse und miese Intrigen (hier möchte ich jetzt jedoch nur ungern vorgreifen, da es erstens totale Spoiler-Gefahr wäre und euch zweitens den ganzen Spaß verderben würde). Bei manchen musste ich mich jedoch fragen, kann ein Mensch wirklich so eiskalt sein…? Auch fand ich einzelne Aspekte besonders liebevoll und sorgfältig eingebracht, die einem zwischen drinnen doch immer wieder das Herz erwärmen konnten und einem Hoffnung und Halt gaben, was jedoch ganz im Gegensatz zu dieser grausamen Wirklichkeit steht. (Wer das Buch gelesen hat, wird sich wohl denken können was ich meine, ich verrate euch nur zwei Namen hierzu: „Emily und Aleyna“).

Lediglich der Ablauf des Endes der Mission der Rebellenkinder konnte mich nicht wirklich überzeugen bezüglich Caesar und dem Abkommen zwischen seiner Tochter Marisa und Mika. Daher einen Punkt Abzug. Aber lobenswert finde ich es, wie die Autorin es eingefädelt hat, dass wir so ziemlich zum Schluss auch nochmal ein wenig Informationen über Ceasars Lebensweg, sowie das Leben seiner Tochter erfahren. Und auch besonders gelungen finde ich das aller letzte Kapitel mit den tieferen Einblicken auf aktuelle Geschehnisse.

Der Titel „Schmetterling aus Staub“ passt meiner Meinung nach gut zur Geschichte und die Covergestaltung unterstreicht das Ganze ungemein.  Das Cover ist hauptsächlich schwarz und weißt an manchen Stellen leichte Verschmutzungen auf, die wie feine Asche dargestellt ist. Aus dieser erhebt sich ein blauer Schmetterling und zudem fühlt sich das Cover besonders weich und geschmeidig an.


Fazit:

Eine fantastische Dystopie die an den Leser appelliert, dabei so nah an der Realität liegt, den Leser mit längst vergangenen Zeiten und einer großen Portion freier Kreativität in ein Deutschland entführt, unter dessen gegebenen Bedingungen ich so nicht leben wollte. Eine absolute Leseempfehlung!


Vielen lieben Dank an Lovelybooks und den Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar! (Leserunde!)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen